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Erste Hilfe bei Sportunfällen

Dr. med Theo Steinacker, ltd. Arzt im Krankenhaus für Sportverletzte in Lüdenscheid (Hellersen), gibt Tipps und Ratschläge für die Sofortversorgung bei Sportunfällen.

Jährlich ereignen sich in Deutschland über 1,5 Mill. registrierte Sportverletzungen. Ohne adäquate Akutbehandlung kommt es häufig zu Komplikationen und Verzögerung in der Heilung. Jeder Sporttreibende bzw. Sportbetreuende sollte deshalb die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei akuten Sportverletzungen kennen. Wichtig ist es, auch vor Ort entsprechendes Therapiematerial, wie z. B. Eis, sterile Kompressen oder elastische Binden in ausreichender Zahl zur Verfügung zu haben. Auch bei kleineren Sportverletzungen bestehen Ängste und Unsicherheit beim verletzten Sportler, so dass auch eine entsprechende psychische Betreuung erforderlich ist.

Dr. Theo Steinacker, ltd. Arzt im Krankenhaus für Sportverletzte in Lüdenscheid (Hellersen), Abtl. Sportmedizin, hat die häufigsten Sportverletzungen und ihre Sofortbehandlung in einer Übersicht zusammengestellt.

Jede Sportverletzung bedarf einer sofortigen Akuttherapie nach dem PECH-Schema. Dieses Schema besteht aus Pause, Eiskühlung, Compression und Hochlagerung. Der Verletzte muss die Sportausübung unbedingt sofort unterbrechen, da sonst eine Verschlimmerung des Beschwerdebildes droht. Als nächstes sollte eine sofortige Kühlung mit Eiswasser erfolgen, hierdurch wird die lokale Blutzirkulation verringert und der Ausbildung eines Blutergusses entgegengewirkt. Die Kühlung sollte mindestens 20 Minuten andauern. Geeignete Mittel sind in einer Plastiktüte schwimmende Eisstücke bzw. spezielle Kühlpäckchen. Völlig ungeeignet dagegen ist Eisspray, welches zu lokalen Erfierungen führen kann. Durch die Kältewirkung kommt es auch zu einer deutlichen Schmerzlinderung sowie einer Minderung der Oedembildung und der Entzündungsreaktion. Bei einer Verletzung kommt es immer zur Zerreißung von kleinen Blutgefäßen, hieraus entsteht eine Bluterguss. Dieser kann durch eine dosierte Kompression eingeschränkt werden. Hierzu wird eine elastische Binde mit leichter Spannung angelegt. Der Kompressionsverband kann mit der Eispackung kombiniert werden. Als vierte Maßnahme ist eine Hochlagerung erforderlich, hierdurch wird ebenfalls die Schwellung und Blutungsneigung verringert. Bei allen akuten Verletzungen sind Massagen sowie Wärmebehandlungen zu vermeiden.

Blutende Wunden erfordern das Anlegen eines Druckverbandes. Ist die Blutung auf diese Weise nicht zu stoppen, sollte ein zweiter, fester Druckverband über den ersten angelegt werden. Ein Abbinden der betroffenen Gliedmaße sollte auf jeden Fall unterbleiben. 

Bei Schnitt- und Stichwunden können tiefere Gewebeschichten verletzt sein, die Wunde sollte mit sterilem Verbandmaterial abgedeckt und es sollte ein Arzt konsultiert werden. Fremdkörper, die noch in der Wunde stecken, sollten auf keinen Fall entfernt werden. Schürfwunden werden mit klarem Wasser gereinigt und mit einer alkoholischen Lösung desinfiziert. Salben oder Gels sollten nicht auf offenen Wunden zur Anwendung kommen.

Bei allen Brüchen sollte der Verletzte so wenig wie möglich bewegt werden. Auf keinen Fall sollte versucht werden, fehlstehende Knochen zu richten. Der Verletzte sollte bequem gelagert werden und man sollte ihm Trost zusprechen. Bei offenen Brüchen muss die Wunde steril abgedeckt werden. Der Abtransport des Verletzten ist Sache des Sanitätspersonal.

Hautblässe, kalter Schweiß und Übelkeit sind Zeichen von Kreislaufkomplikationen, der Betroffene sollte auf dem Rücken gelagert und die Beine hochgehalten werden. Ist der Sportler nicht mehr ansprechbar (Bewusstlosigkeit) wird er, wie im Erste-Hilfe-Kursus gelehrt, in eine stabile Seitenlagerung gebracht, schnellstmögliche Weiterversorgung durch einen Arzt.

Zu den häufigsten Verletzungen gehören Bandkapselverletzungen des oberen Sprunggelenkes. Sie entstehen meist nach einem Fehltritt oder durch eine Bodenunebenheit. Die Sofortmaßnahme besteht in Kühlen mit Eiswasser, Anlegen eines leicht komprimierenden Verbandes und Hochlagerung. Weitere diagnostische Abklärung durch einen Arzt ist unbedingt erforderlich, da es sonst zu chronischen Bandkapselinstabilitäten kommen kann.

Die Ursache der Gehirnerschütterung besteht in einer Gewalteinwirkung durch einen Schlag, Sturz oder Tritt. Die Bewusstseinslage des Sportlers sollte geprüft werden, indem man mit ihm spricht und fragt, ob er den Unfallhergang erzählen kann. Bewegt man einen Finger vor den Augen des Verletzten langsam hin und her, so müssen die Augen der Bewegung folgen können. Besteht der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, darf der Verletzte sich auf keinen Fall weiter sportlich betätigen. Bis zum Transport ins Krankenhaus sollte er mit etwas erhöhtem Oberkörper gelagert und gegen Auskühlung mit einer Decke geschützt werden.

Im Sport kommt es häufiger zu Verrenkungen der Kniescheibe und der Schulter. Bei allen Verrenkungen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, Laien sollten ein Gelenk nicht einrenken. Die Muskulatur ist mit 40 bis 50 % des Körpergewichts das größte Organ des Menschen, welches neben stabilisierender und dynamischer Funktion auch sehr wichtige Aufgaben als Sinnesorgan hat.

Muskelverletzungen sind die häufigsten Sportverletzungen, 20 % aller Sportler erleiden jährlich eine Muskelverletzung. Die sportliche Leistung ist in hohem Maße von einer störungsfreien und ökonomischen Muskelfunktion abhängig.

Bei den Ursachen für Muskelverletzungen zeigt sich, dass die Muskulatur oft überhaupt nicht ausreichend belastungsadaptiert ist. Dies zeigt sich in einem vollkommen unzureichenden oder schlechten Trainingszustand, im fehlendem Aufwärmen sowie insbesondere bei Ermüdung und Unterkühlung. Des weiteren wirken begünstigend nicht ausgeheilte Verletzungen, akute oder chronische Infektionskrankheiten, nicht ausgeglichene Elektrolytverluste, abrupter Belastungswechsel sowie ungeeignete Sportausrüstung. Stretching und Dehnprogramme gehören mittlerweile sowohl in der Vorbereitungs- als auch Abkühlphase beim Sportler zum Alltag.

Eine überaus häufige und oft falsch behandelte Muskelverletzung stellt eine Muskelzerrung dar. Der Sportler verspürt einen krampfartigen Schmerz in der Muskulatur, er kann zwar noch die sportliche Betätigung fortführen, hat jedoch dabei ein deutliches Missempfindungsgefühl in der Muskulatur. Die Muskulatur wird zunehmend unelastischer und damit auch schlechter dehnbar. Bei Auftreten solcher Symptome sollte die sportspezifische Belastung unbedingt eingestellt werden, da sonst bei Nichtbeachtung eine Muskelfaserriss droht.

Setzt der Sportler trotz einer erlittenen Muskelzerrung die sportliche Belastung fort, so geht er ein hohes Risiko ein, eine schwere Muskelverletzung mit Einriss der Muskelstruktur zu erleiden. Bei dieser Form von Muskelverletzung gibt der Sportler einen stichartigen Schmerz an, so als ob ihn jemand mit einem Messer gestochen hätte.

Die Behandlung der Muskelverletzungen muss sofort einsetzen. Im Vordergrund des Bemühens steht die Einschränkung des sich bildenden Blutergusses. Dies gelingt am besten durch Anlage eines Druckverbandes und Kühlung mit Eiswasser. Jede Minute Zeitverlust nach Verletzung bedeutet einen Tag verlängerte Rehabilitationszeit. Dies gilt etwa bis zur zehnten Minute, dann setzt eine Autoregulation ein. Um solch eine Akutverletzung auch jederzeit durchführen zu können, sollten Trainer, Sportler und der Veranstalter stets eine Kühlbox mit Eiswasser, Schaumgummi und elastischen Binden bereithalten.

Durch lokale stumpfe Gewalteinwirkung kommt es zur Muskelprellung mit nachfolgender Blutergussbildung. Auch hier muss das Ausmaß des Blutergusses durch sofortige Eiskühlung und Kompressionsverband, Hochlagerung sowie Entlastung eingedämmt werden. Die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten (Diclofenac) hat sich in diesem Falle besonders bewährt. Eine mindestens zweitägige Belastungspause muss eingehalten werden. Wichtig ist es, bei der Mobilisation darauf zu achten, dass diese im schmerzfreien Bereich erfolgt. Massagen im Verletzungsbereich sind verboten, weil hierdurch eine Muskelverknöcherung provoziert werden kann. Der Muskelkater wurde lange Zeit als ein Garant für ein gutes Training angesehen. Elektronenmikroskopische Untersuchen haben aber gezeigt, dass es hierbei zu Mikroverletzungen kommt. Der Muskelkater setzt erst mehrere Stunden und oft auch erst am nächsten Tag nach der Belastung ein. Die Muskulatur wird verhärtet und ist schmerzhaft, intensivere sportliche Belastung ist nicht mehr möglich und sollte auch strikt gemieden werden. Die Muskelfunktion bleibt für mehrere Tage bis zu einer Woche erheblich gestört. Ausgelöst wird der Muskelkater hauptsächlich durch Belastung des gedehnten Muskels gegen Widerstand, wie sich dies z. B. beim Bergablaufen oder bei der Stützphase beim Laufen findet. Muskelkater wird jedoch auch durch Ausführung von ungewohnten oder neuen Belastungsformen hervorgerufen. Nach zwei- bis dreimaligen Training tritt dann ein Muskelkater nicht mehr auf.

In der Behandlung haben sich Eisabreibungen, Kneipp-Anwendungen, Wechselbäder sowie ein leichtes Bewegungstraining, insbesondere mit Belastungsformen wie Radfahren und Joggen, bewährt. Bei längerer Belastungsdauer und insbesondere bei hohen Außentemperaturen treten gehäuft Muskelkrämpfe auf.

Diese sind meistens Folge einer muskulären Ermüdung. Zu beachten ist, dass neben den Elektrolyten auch immer eine ausreichende Menge Flüssigkeit und leicht resorbierbare Kohlenhydrate aufgenommen werden. Die Ursachen von Muskelkrämpfen sind jedoch vielschichtig. Bei häufigen Muskelkrämpfen sollte immer eine klinische Untersuchung und Labordiagnostik erfolgen. Als orthopädische Ursachen wären Fußdeformitäten, Rückenbeschwerden, verkürzte Muskulatur sowie Muskelverhärtungen zu nennen. Allgemeinmedizinische Ursachen stellen Durchblutungsstörungen, Infektionskrankheiten und hierbei insbesondere Virusinfektionen, Medikamenteneinnahme sowie chronische Vergiftungen mit Alkohol, Nikotin und Fluor dar. Die Therapie der Muskelkrämpfe besteht in der Beseitigung der auslösenden Ursachen, vorsichtigen, lokalen Dehnübungen, Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Kohlenhydratersatz. Sehr bewährt haben sich auch lokale Eisabreibungen und Lockerungsmassagen.

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